Wände haben vor allem eine Schutzfunktion. Sie sind nützlich, wenn wir uns ausgrenzen wollen. Sie halten einiges aus. Und sie lassen sich beschmieren, anschreien, streichen oder niederreißen. Über ihre Grundfunktion hinaus wird die Wand zum Medium, wenn wir sie z.B. plakatieren. Der menschgemachte Raum, in dem wir uns täglich befinden, wird zu Kommunikationszwecken genutzt. Kahle Wände können deswegen auch beruhigend wirken, denke man an die Werbestrategien der Marketingbranche.

Vier wände entstand aus dem naiven Wunsch, Kunst in den eigenen Lebensraum zu holen. Galerien gab es schon immer außerhalb von Museen und konventionellen Ausstellungen (diese oft sterilen Räumlichkeiten): In Berlin steht noch immer die größte ausgelagerte Galerie der Welt: Die East Side Gallery. In Essen wurde das Innenleben der Kohlezechen so modelliert, dass Kunst reinpasst. Das ist also nicht das Neue.

Und doch ist es die Räumlichkeit, die bei vier wände im Vordergrund steht. Wir holen Kunst zurück an einen Ort, wo sie neu entstehen kann: Im alltäglichen Leben, in „natürlichen“ Lebensräumen – in unseren vier Wänden.

Wir nutzen unsere bestehenden vier Wände, um Raum zu schaffen: Platz für junge Kunst, die sich in abgekapselten Sphären (Museen, Cafés, Arztpraxen etc.) nicht selbst repräsentieren kann. Durch vier wände sprechen Künstler unmittelbar in einer unverkünstelten Sprache, nicht durch einen Audio-Guide, zu Menschen. Da gibt es die begabte Abiturientin, die ihre Fotographien im Internet darstellt. Sie nutzt neuen virtuellen Raum, um ihre Arbeiten zwischen Millionen von neurotischen Foto-Uploadern zu positionieren. Dabei stehen uns die Wände doch in Fülle zur Verfügung. Wir wollen auch dem verwegenen Reisefotographen unsere vier Wände anbieten. Vor allem die Künstler von nebenan, deren fantastische Werke niemals Platz in verkleinerten Kunstuniversen wie Museen und Ausstellungen finden würden, finden bei vier wände das Publikum, das ihnen gebührt.