Toy Cam
Analoge Farbfotografien von Henning M. Schoon

04. Oktober – 04. November 2009
Wilhelmstraße 48 in Münster

Unser sechster Künstler Henning Martin Schoon fotografiert. Nicht auf eine spektakuläre Weise, mit schweren, teuren Kameras und großen Objektiven, sondern höchst zurückhaltend; analog mit Mittelformat-Plastik-Kameras.
Damit Ihr Euch einen Einduck über die „Werkzeuge“ des Fotografen machen könnt, hat der Künstler höchspersönlich die Kameras einmal vorgestellt.

Die Toy Cam

Toy Cams erobern sich seit einiger Zeit einen festen Platz in der jungen Fotografie, da sie sich auf das Wesentliche einer Fotokamera beschränken und die Beliebigkeit einer digital auf dem Bildschirm konstruierten Bildwirklichkeit ablehnen. Die technischen Möglichkeiten der Kameras ermöglichten auch fotografische Arbeiten, die grafisch geprägt sind. Durch doppelt belichtete Aufnahmen bildete sich eine manipulierte Wirklichkeit, die erst nach Entwicklung der Negative offensichtlich wurde und im Moment des Auslösens noch verborgen war. Toy Cam versteht sich als ein Beitrag zur Lomografie. Diese größtenteils auf Schnappschüssen und Straßenfotografie fußende Stilrichtung wird mit einfachen, rein analogen Kameras betrieben.

// HOLGA

HOLGA ist eine Plastikkamera chinesischer Produktion, die äußerlich eher einer Wasserspritzpistole gleicht, als einer ernstzunehmenden Kamera, die mit Mittelformatfilm (6×6) arbeitet. Sie besitzt ein erstaunliches Eigenleben und stellt den Fotografen immer wieder vor Herausforderungen. Sie hat nur eine Verschlusszeit und ist in der Produktion höchst unterschiedlichen Toleranzen ausgeliefert. Somit wird jede Kamera zu einem optischen Unikat. Dazu bietet sie Möglichkeiten von Doppel- und Langzeitbelichtungen. Vignettierungen, Lichtlecks, Über- und Unterbelichtungen und nicht berechenbare Schärfentiefe sind die Elemente, die den unverkennbaren Holga-Style ausmachen, der sich deutlich vom perfekten Bild aktueller Digitalkameras unterscheidet.

// LOMO Lubitel 166B

Die LOMO Lubitel 166B wurde in den 1970ger Jahren als Kamera fürs Volk im sowjetischen Leningrad (heute St. Petersburg) gebaut. Als zweiäugige Spiegelreflexkamera bietet sie die Möglichkeit, das Fotomotiv bereits vorher auf einer großen Mattscheibe zu betrachten. Für den Verschluss und den Selbstauslöser ist ein Uhrwerkmotor zuständig, der von seinem Geräusch eher an ein Spielzeugauto erinnert, als an eine 6×6-Kamera. Sie arbeitet im Gegensatz zur HOLGA mit Glaslinsen, erzeugt durch die eigenwillige und sparsame Bauweise aber Bildeffekte, die unverkennbar sind. Reflexionen zeichnen bei zu geringer Blende das Negativ. Es kommt zu Vignettenbildung und zu mittigen Schärfen, wobei der Rand eher unscharf gehalten wird.