Vernissage „Ein Pferd und eine Fliege“
Sonntag, 20. November 2011 um 18 Uhr
WG Hammerstr. 27, 48151 Münster

Istanbul ist eine Stadt, die aus allen Nähten zu platzen droht. Offiziell 13 Millionen Menschen leben hier dicht gedrängt, inoffizielle Schätzungen gehen weit darüber hinaus, und die vom Bosporus geteilte Metropole wächst unaufhörlich weiter. Das Leben an der Nahtstelle zwischen Europa und Asien ist pulsierend, hektisch, schillernd, laut.

Von alldem ist auf den ersten Blick in den Fotografien Lisa Frischemeiers nichts zu spüren. Ihre Bilder lassen die unübersichtliche Millionenstadt manchmal gar als verlassenes Dorf erscheinen. Furchtlos und beinahe naiv spaziert die Fotografin wie der klassische Flaneur durch die engen Straßen der Stadt, sie wagt sich in verwinkelte Hintergassen und lässt sich in das Leben der einfachen Menschen einladen. Dabei offenbaren ihre Stillleben einen aufmerksamen Blick für die Ästhetik der kuriosen Kleinigkeiten.

Es sind Momente der Ruhe, die Lisa Frischemeier auf 6×6-Mittelformat festhält, und in diesen Momenten sind sowohl die Porträtierten als auch die Fotografin selbst extrem präsent. Die Porträts sind leise und intim, sie geben dem Einzelnen Raum und suspendieren ihn für einen kurzen Augenblick von all dem hektischen Treiben des täglichen Lebens. In den abgebildeten Gesichtern zeigt sie sich dann schließlich doch, die große Stadt, und die subtilen Spuren, die sie hinterlassen hat: Müdigkeit, Erschöpfung, Unsicherheit, aber auch Stolz und eine gewisse Selbstbehauptung gegenüber der rauen Umgebung.

Darüber hinaus sind Frischemeiers Bilder sensibel für den Geist eines Istanbuls abseits boomender Wirtschaftsviertel und ausgetretener Touristenpfade. Sensibel auch für die Fragilität dieser mitunter Jahrhunderte alten Nachbarschaftsviertel, die sich unter dem fortschreitenden Wandel der viertgrößten Stadt der Welt in den nächsten Jahren am dramatischsten verändern werden. „Ein Pferd und eine Fliege“ ist kein abgeschlossenes Projekt. Lisa Frischemeier wird weiter durch Istanbul schlendern, sich spontan von der Schönheit dieser Stadt beeindrucken und sich in ihre abgelegenen Ecken leiten lassen.

(Ein Pferd und eine Fliege, Lisa Frischemeier) / www.lisafrischemeier.com